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Füreinander - Miteinander in Amtzell e.V.
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Die Libanonhilfe im Verein Füreinander-Miteinander in Amtzell e.V.

 

Das jüngste Kind im Verein Füreinander-Miteinander ist die Libanonhilfe.

2017 hatte sich Amtzell dem Projekt „Kommunales Know How für Nahost“ des Bundesentwicklungsministeriums angeschlossen: Gemeinden in den Nachbarstaaten Syriens – in der Türkei, in Jordanien und im Libanon – sollten bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise unterstützt werden. Diese Staaten beherbergen zusammen fast 7 Millionen Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen sind.  

Die Initiative der fünf Allgäuer Gemeinden Heimenkirch, Hergatz, Opfenbach, Gestratz und Amtzell hat Kontakte geknüpft zu Kommunen im Libanon, wo neben 4,5 Millionen Libanesen 2 Millionen Menschen aus Syrien leben, vor allem Frauen und Kinder. Manche grenznahen Gemeinden beherbergen fünf- bis sechsmal so viele Flüchtlinge wie heimische Bewohner. Dies stellt die Kommunen vor fast unlösbare Probleme im Bezug auf die Wasser- und Energieversorgung, die Müll- und Abwasserentsorgung, die Bildung und die medizinische Daseinsvorsorge.

Die Idee des Projekts war, dass Kommunen am besten wissen, wie kommunale Probleme zu bewältigen sind und so durch den Transfer von Wissen und Erfahrungen andere – libanesische – Kommunen unterstützen könnten. Außerdem sollte durch kommunale Partnerschaften in dem Land, in dem die Korruption eines der größten Probleme darstellt, die Unterstützung möglichst direkt und „verlustfrei“ stattfinden.

Bei einer Sondierungsreise im November 2017 konnten Vertreter der fünf Allgäuer Gemeinden die Verhältnisse im Libanon kennenlernen. Die Reisegruppe war betroffen angesichts des Elends in den riesigen Flüchtlingscamps, verstört ob der gewaltigen Unterschiede zwischen Arm und Reich und beeindruckt vom Engagement und der Lebensfreude der Libanesen. Fünf libanesische Kommunen hatten sich um eine Partnerschaft beworben, darunter die Gemeinde Rashiine im Norden des Landes am Westhang des Libanongebirges gelegen, das schließlich zur Partnergemeinde von Amtzell werden sollte. Die Gemeinde Rashiine hatte sich zum Ziel gesetzt, die Themen „Müllentsorgung“ und „Umweltschutzes“ offensiv anzugehen, zumal auf der Gemarkung die wasserreichste Quelle des Landes sprudelt, die durch Abwässer und Abfälle bedroht ist.

Beim Gegenbesuch einer libanesischen Delegation im Mai 2018 konnten die Gäste die Infrastruktur der Allgäuer Kommunen kennenlernen. Auf dem Programm stand unter anderem der Zweckverband für Abfallwirtschaft, kurz ZAK, der Landkreise Lindau und Kempten sowie die Biogasanlage in Amtzell-Korb.

Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen Amtzell und Rashiine sollte nun geprüft werden, inwiefern Erfahrungen rund um die Müllentsorgung, vor allem der Verwertung organischer Abfälle in Biogasanlagen, in der libanesischen Gemeinde umgesetzt werden könnte. Eine Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben. Sie zeigte auf, dass eine relativ kleine Anlage die organischen Abfälle der 4000 Einwohner Gemeinde Rashiine verarbeiten könnte. Da Strom im Libanon äußerst knapp ist und Kompost sehr teuer gehandelt wird, könnten diese beiden „Nebenprodukte“ der Müllverwertung den Betrieb finanzieren und sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Im Rahmen eines Arbeitsbesuchs in Rashiine im November 2018 konnte das weitere Vorgehen besprochen werden. Bei diesem Besuch konnten auch Lebensmittelpakete im Wert von insgesamt 2 000 € an notleidende – vor allem syrische – Familien übergeben werden. Dieses Geld und weitere Hilfen in Höhe von nochmals 3 000 Euro konnten aus der Aktion „Helfen bringt Freude“ der Schwäbischen Zeitung und durch weitere Spenden aufgebracht werden.

Beide Partner machten sich nun an die „Hausaufgaben“. Der Bürgermeister und die Gemeinderäte von Rashiine suchten und pachteten schließlich einen geeigneten Bauplatz für die Anlage, gaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag und beantragten erforderlich Genehmigungen. Christian Renn aus Hergatz machte sich im Auftrag der Gemeinde Amtzell an die Antragsstellung. Allerdings war bald klar, dass das Förderpaket von 250 000 €, das eine Gemeinde für ihr Projekt beantragen kann, für die geplante Anlage nicht ausreichen würde. So ergab sich, dass die Gemeinde Kisslegg sich auch für das Projekt engagieren wollte. Durch die Fördermittel zweier Gemeinden hätte der Bau der Anlage schließlich umsetzbar werden können. Allerdings nur dann, wenn es gelungen wäre, die Mini-Biogas-Anlage eines österreichischen Herstellers ohne Zollgebühren und Steuern ins Land zu bringen. Um entsprechende Zusagen seitens der libanesischen Behörden bemühte sich vor allem Klaus Karl als Vertreter der Partnergemeinde Kisslegg.

Im Laufe des Jahres 2019 verschlechterte sich jedoch die ohnehin schon schwierige wirtschaftliche Lage im Libanon so sehr, sodass die Bevölkerung im Oktober zu anhaltenden Massenprotesten auf die Straße ging. Ende Oktober trat Ministerpräsident Saad Hariri zurück. Erst im Dezember wurde ein neuer Präsident ernannt und im Januar 2020 eine neue Regierung gebildet. Doch an dem Machtvakuum im Land änderte sich wenig. Dann kam Corona. Und am 4. August 2020 ereignete sich eine verheerende Explosion im Hafen von Beirut, in deren Folge der neue Präsident zurücktrat. Das Land stürzte weiter ins wirtschaftliche und politische Chaos.

Unter diesen Umständen war schnell klar, dass es nicht gelingen würde, das Biogasanlagen-Vorhaben wie geplant umzusetzen – zumal die Menschen im Libanon jetzt drängendere, existenzielle Sorgen hatten. Die Partnergemeinden Amtzell und Kisslegg beantragten stattdessen nun beim Entwicklungsministerium ein Corona-Nothilfe-Paket. Mit 50 000 € konnte die Gemeinde Rashiine Hygieneartikel kaufen und einen kleinen Transporter anschaffen, um zum Beispiel an Corona erkrankte Personen zum Arzt oder ins Krankenhaus zu bringen. Durch eine Spende aus der Aktion „Helfen bringt Freude“ der Schwäbischen Zeitung konnten auch wieder Lebensmittelpakete in Rashiine verteilt werden.

Nach der Explosion im Hafen in Beirut beschlossen die Allgäuer Initiativ-Gemeinden mit einer  Spendenaktion für die Nothilfe des Vereins Orienthelfer in Beirut zu sammeln. Dieser Verein wurde 2012 vom Münchner Kabarettist Christian Springer gegründet und leistet humanitäre Hilfe für Opfer des Syrischen Bürgerkrieges in den Nachbarländern. Bei der Aktion kamen rund 40 000 € aus Amtzell und Umgebung zusammen – für Springers Armenküche für obdachlose Menschen und den Wiederaufbau eines Krankenhauses.

Doch was wird aus dem Müllprojekt in Rashiine? Auch wenn es nicht gelingen wird, eine Biogasanlage zu errichten, möchte die Gemeinde Rashiine dennoch die umweltverträgliche Müllentsorgung voranbringen. Das Projekt wurde daher abgespeckt und mit einem Umfang von 250 000 € soll nun ein Wertstoffhof entstehen und eine Kompostanlage. Mithilfe eines den örtlichen Gegebenheiten angepasstes Sammelsystem soll der Müll getrennt und dann der Verwertung zugeführt werden. Durch den Verkauf des Komposts sollen die laufenden Kosten gedeckt werden. Die Gemeinde Kisslegg hat einen entsprechenden Antrag auf ein Förderpaket gestellt und es besteht die Hoffnung, dass das Vorhaben heuer umgesetzt werden kann.

Und wie geht es in Amtzell weiter?

Schon 2020 haben wir die Spende von 5000 € aus der Aktion „Helfen bringt Freude“ der Schwäbischen Zeitung dem Münchner Verein Zeltschule e.V. zukommen lassen. Damit haben wir die „Zeltschule Allgäu“ in Bar Elias im Bekaa-Tal unterstützt, die auf Initiativ Gemeinde Gestratz 2018 errichtet wurde.

Jacqueline Flory, die rührige Gründerin des Vereins Zeltschule, haben wir bereits 2017 bei unserem ersten Besuch im Libanon kennen gelernt und waren sehr beeindruckt von ihrem Engagement. Der Verein Zeltschule hat inzwischen 39 Zeltschulen in Flüchtlingslagern errichtet – 21 im Libanon und inzwischen auch 18 in syrischen Lagern. Aktuell erhalten dort fast 10 000 Kinder eine Schulausbildung – und etwas zu essen, damit sie nicht arbeiten müssen.

Im Rahmen unseres Engagements in der Libanon-Initiative mussten wir erfahren, wie viele bürokratische und politische Hürden es zu überwinden gibt, bis dass die Hilfe – im besten Fall – dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Auf „offiziellem“ Weg geht zur Zeit so gut wie nichts, denn die politische und wirtschaftliche Situation ist zunehmend katastrophal und ein Ende ist nicht in Sicht. In einem Land, das so sehr wie kaum ein anderes vom Import abhängig ist, verfügt der Staat über so gut wie keine Devisen mehr. Es mangelt an fast allem, an Lebensmitteln, Benzin und vor allem an Medikamenten. Die Angst vor einem Bürgerkrieg geht um.

Das Engagement des Vereins Zeltschule dagegen kommt an – direkt und unbürokratisch und dort, wo es am dringendsten gebraucht wird. So hat der Verein Wege gefunden Hilfsgüter ins Land und zu den Zeltschulen zu bringen und den Betrieb der Schulen aufrecht zu erhalten und sogar weiter auszubauen. Wir möchten deshalb versuchen, vor allem Jaqueline Flory mit ihrer Initiative für Kinder und Frauen zu unterstützen, denn Bildung ist die beste Investition in eine bessere Zukunft.

Trotz großer Erschwernisse ist es der Amtzeller Initiative in den vergangenen drei Jahren gelungen, Hilfsgüter im Wert von fast 100 000 € für die Menschen im Libanon zu organisieren. Darüber hinaus sind freundschaftliche Kontakte entstanden, die zum gegenseitigen Verstehen beitragen. Diese Kontakte möchten wir erhalten, so dass ein partnerschaftlicher Austausch auch in Zukunft möglich sein wird.

 

Amtzell, den 10.01.2022

 

Verena Mayer

Füreinander-Miteinander in Amtzell e.V. – Flüchtlingshilfe/Libanonhilfe

 

Die Hilfe für notleidende Menschen im Libanon geht auch im neuen Jahr weiter. Unser Verein hat aus dem Hilfsprojekt „Helfen bringt Freude“ der Schwäbischen Zeitung

4 900,– Euro bekommen, sodass wir aufgerundet mit 5 000,– Euro helfen können.

Das Geld geht in diesem Jahr an die Zeltschule Allgäu, die 2018 mit Hilfe des Allgäuer Gemeindeverbundes „Interkommunaler Libanonausschuss Allgäu (ILAA)“ im Osten des Libanon errichtet wurde.

Die Zeltschule hat zwei Klassenzimmer, in denen mittlerweile in drei Schichten insgesamt 180 Flüchtlingskinder täglich Unterricht haben. Neben dem Unterricht ist die Versorgung der notleidenden Familien

mit Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten und Coronaschutzartikeln ein wichtiger, weiterer Baustein der Arbeit. Besonders Corona hat die Helferinnen und Helfer der Zeltschule vor neue große Herausforderungen gestellt.

Die geflüchteten Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und ein Covid- Ausbruch im Camp könnte ein Massensterben zur Folge haben.

Wasser, Gesichtsmasken, Seife, Desinfektionsmittel und regelmäßiges Händewaschen sollen helfen, das Schlimmste zu verhindern. Die Explosion in der Hauptstadt Beirut und die desolate politische Situation haben eine Hyperinflation zur Folge, sodass Lebensmittel

kaum erschwinglich sind.

So ist unsere Hilfe sehr willkommen!

Helfen bringt wirklich Freude – und deshalb machen wir damit auch 2021 weiter!

 

Zur Zeltschule generell: insgesamt betreibt der Verein “Zeltschule e.V.“ mittlerweile 30 Schulen in Syrien und im Libanon mit 6000 Kindern. Insgesamt 25000 Menschen werden mit Lebens- und Hilfsmitteln versorgt. Näheres im Internet über Zeltschule.org. – Zeltschule e.V. – Wir machen Schule!

Direkte Hilfe für die Menschen im Libanon

Die Menschen im Libanon leiden unter einer politischen Krise, unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie und unter den Folgen der Explosion im Hafen der Hauptstadt Beirut. Daneben sind noch ca. 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge zu versorgen.

In diesem Land, das vor wenigen Jahren noch als die „Schweiz des Nahen Ostens“ bezeichnet wurde, macht sich in Teilen der Bevölkerung Hunger breit.

Wir wollen nicht nur zuschauen, sondern helfen! So haben wir aus einem Fördertopf, den wir von der Aktion der Schwäbischen Zeitung „Helfen macht Freude“ erhalten haben, 1500.– Euro an unsere Partnergemeinde Rashiine im Norden des Libanon überweisen können.

In der letzten Woche konnten deshalb 55 Lebensmittelpakte an bedürftige ältere Menschen und an Flüchtlinge verteilt werden. Über das Entwicklungshilfeministerium wollen wir nun versuchen, die medizinische Versorgung zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu verbessern. Hierzu wurden bereits Förderanträge gestellt. Im Interkommunalen Libanon-Ausschuss Allgäu, zu dem die Gemeinden Hergatz, Heimenkirch, Gestratz, Opfenbach, Amtzell und Kißlegg gehören, werden die Unterstützungsmaßnahmen koordiniert. Ziel dabei ist, Hilfen zu organisieren, die direkt bei der Bevölkerung ankommen. Das ist uns bisher gelungen.

Zusammenfassung des Projekts – Bio-Gas-Anlage für Rachiine/Libanon
Amtzell-Kißlegg- für den Gemeinderat

 

Rückblick und Entwicklung des Projekts


Im Rahmen der durch das BMZ – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – geförderten Initiative kommunales Knowhow für Nahost entstand im Jahr 2018 eine interkommunale Zusammenarbeit zwischen einigen Gemeinden im Allgäu und im Libanon. Engagement Global als gemeinnützige GmbH koordiniert die Entwicklungsprojekte im Auftrag des BMZ.

Bereits November 2018 wurde u.a. eine Reise in den Libanon durchgeführt, um eine Machbarkeitsstudie für das Projekt „RACHIINE“ – Vorbereitungen zum Bau einer Bio-Gas-Anlage- im Rahmen eines sogenannten Schnellstarterpakets SSP1, durch Amtzell vorzustellen.

Dabei wurde sehr schnell deutlich, dass nur mit Hilfe von 2 gemeinsam beteiligten Gemeinden die Beschaffung und Installation einer Bio-Gas-Anlage vor-Ort machbar sein würde. Aus diesem Grund haben sich die Gemeinden Amtzell und Kißlegg auf Vorschlag und Betreiben des Projektteams und der Unterstützung des BMZ darauf verständigt, zwei Projekt-Anträge gemeinsam zu stellen, um so eine später eine Gesamtsumme von T€ 500 für das Projekt bewilligt zu bekommen.

Den Gemeinden Amtzell und Kißlegg entstehen durch die Projektarbeit keine Kosten, die Aufwendungen und Projektkosten werden durch das BMZ zu 100% finanziert!

Die Konfiguration der Bio-Gas-Anlage gemäß der erarbeiteten Machbarkeitsstudie wurde von einer ursprünglich vorgesehenen 5-Container- auf eine 3- Container Anlage reduziert, um den Rahmen der durch das BMZ zu bewilligenden Mittel einhalten zu können. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte dann im Bedarfsfall eine einfache Erweiterung um weitere 2 Container erfolgen.

 

Das Gesamtprojekt ist in folgende Stufen unterteilt:
  1. Machbarkeitsstudie, Klärung der Rahmenbedingungen, Projektplanung für die Anlage, SSP1 Amtzell – Besuch Projekt-Team vor Ort im November 2018 -erledigt

  2. Start Umweltverträglichkeitsanalyse, Klärung Technik, Voraussetzungen für die Beschaffung, Gelände, Gesetzgebung, SSP1 Kißlegg – Besuch vor Ort im Juni 2019 -erledigt

  3. Zoll, Steuer, Modalitäten zur Einfuhr, Nachhaltiger Betrieb der Anlage, Konzept zu Implementierung der Mülltrennung und Sammlung der Wertstoffe für den Betrieb der Anlage und Vertrieb des Komposts, SSP1 Kißlegg – Besuch vor Ort im Oktober 2019
    -hier gibt es noch offene Punkte, an denen aktuell gearbeitet wird

  4. Ggf. ist es vorteilhaft oder sogar nötig, eine weitere Projektstufe durch einen weiteren SSP1 Antrag durchzuführen, um damit die Baugenehmigung und Ausschreibung der Anlage abzudecken.

  5. Danach soll die Beantragung eines gemeinsamen SSP2 Antrags zur Beschaffung und Installation der Anlage mit einem Gesamtvolumen von T€ 500 in kommunaler Zusammenarbeit zwischen Amtzell und Kißlegg erfolgen.

  6. Die bisherige Planung sah eine Beantragung SSP2 und Genehmigung im 1.Quartal 2020 vor, die Installation und Inbetriebnahme sollte bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

 

Zusammenfassung des Projekts – Bio-Gas-Anlage für Rachiine/Libanon
Amtzell-Kißlegg- für den Gemeinderat

Aufgrund der politischen Entwicklung im Libanon seit der letzten Reise Mitte Oktober, können sich für uns nicht kalkulierbare Verzögerungen ergeben, die den Projektverlauf insbesondere bezüglich der geplanten Terminierung beeinflussen werden. Wichtige Ministerien und Behörden, die z.B. für die weitere Bearbeitung und Genehmigung der Umweltverträglichkeitsanalyse oder die Zollbefreiung und Einfuhrgenehmigung der Anlage zuständig sind, können zurzeit entweder nicht erreicht werden oder sind operativ nicht funktionsfähig.

Dennoch gehen wir von einer Beruhigung der Situation im Libanon und einer erfolgreichen Fortsetzung der Projektarbeit aus.

Sehr gern beantworten wir in den Sitzungen der Gemeinderäte Amtzell und Kißlegg Ihre Fragen und stehen Ihnen für Erläuterungen währen der Gemeinderatssitzung sehr gern zur Verfügung.

Für das Projekt-Team,

Klaus Karl

 

 

 

 

Delegationsreise in den Libanon vom 22.-26. November 2018 im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums und von Engagement Global

Kommunales Know-how für Nahost

Teilnehmer aus Amtzell – Imelda Schnell, Günter Halder, Verena Mayer, Wafaa Kleiner, Paul Locherer und Ralf Wagner vom Ingenieurbüro Bojahr in Ravensburg.

 

Der Libanon ein schönes, ein faszinierendes Land im Nahen Osten

4,5 Mio Einwohner und ca. 1,5 Mio Flüchtlinge

 

Der Libanon mit großem Bedarf an kommunaler Infrastruktur für die einheimische Bevölkerung und die geflüchteten Menschen aus Syrien:

  • Wasserversorgung
  • Abwasserbeseitigung
  • Müllbeseitigung
  • Wohnraumbeschaffung
  • Schulraumbeschaffung
  • Medizinische Versorgung
  • Energieerzeugung
  • Zusammenleben

 

Der Libanon versinkt im Müll

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Intensiver Austausch im Rathaus von Rashiine über eine Machbarkeitsstudie für eine Bioabfallanlage und das getrennte Erfassen von Bioabfällen. Das Amtzeller Know-how ist sehr gefragt.

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Übergabe der Machbarkeitsstudie an Bürgermeister Dr. Marwan Almawi und den Gemeinderat

Die Hilfspakete für 40 notleidende Familien, gespendet über Füreinander – Miteinander in Amtzell e.V.

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Rashiine, eine Gemeinde mit 4000 Einwohnern im Norden des Libanon versorgt derzeit 600 Flüchtlinge

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Der Libanon ein christliches und ein muslimisches Land mit einem guten Miteinander der Religionen
Papst Johannes Paul II: „Der Libanon ist nicht nur ein Land, sondern eine Botschaft.“

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Besuch der Wallfahrtsstätte „Statue of our Lady of Lebabon“ sowie der Basilika in Jounieh in der Nähe von Beirut

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Auch im Libanon freut man sich auf Weihnachten

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Initiative Kommunales Know-how für Nahost –  Allgäuer Entwicklungshilfe von unten

Entwicklungshilfe war bisher ein Thema, das in der Allgäuer Kommunalpolitik kaum Niederschlag fand. Das änderte sich durch die vielen Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren Europa und Deutschland erreichten. Auch kleine Dörfer auf dem Land bringen die Menschen unter – und sie fragen nach Gründen für die massenweise Migration. Fünf Allgäuer Gemeinden wollten es Anfang 2017 genau wissen. Sie griffen die Initiative des Berliner Entwicklungsministeriums auf, Kommunen in Nahost zu unterstützen.

Im Heimenkircher Gemeinderat fielen Anfang 2017 emotionale Worte, als der Bürgermeister das  Projekt von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller vorstellt. Die Idee, Menschen, die vor Bürgerkrieg fliehen, in ihrer Herkunftsregion zur Seite zu stehen, leuchtete ein. Auch Mandatsträger anderer Gemeinden im westlichen Allgäu, entlang der bayerisch-württembergischen Landesgrenze, in Gestratz, Hergatz, Opfenbach und in Amtzell sahen das Projekt „Kommunales Know-How für Nahost“ als sinnvolle Ergänzung zur vor Ort geleisteten Flüchtlingsarbeit.

Der Skepsis folgt Entschlossenheit

In Diskussionen wurde freilich auch Skepsis laut: Warum sollen Gemeinden Probleme angehen, die die sogenannte „große Politik“ nicht lösen kann? Welche Kompetenzen besitzen sie? Und: Ist solche Hilfe nachhaltig? Antworten erhielten 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger bei einer Informationsveranstaltung mit Referenten der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ (SKEW). Diese schilderten Probleme von Dörfern und Städten im Nahen Osten, die Geflüchtete aus Syrien in kaum vorstellbar großer Zahl aufnehmen. Und sie nannten mögliche Anknüpfungspunkte für Projektpartnerschaften: Es geht um Organisation und Infrastruktur. Auf Feldern wie Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung sind deutsche Gemeinden Spezialisten. Die Allgäuer Gremien wollten zunächst ausloten, ob und wie Gemeinden im Libanon helfen können – und schickten 15 Frauen und Männer auf eine Sondierungsreise.

Im November sind die Allgäuer dann dort unterwegs, wo die Flüchtlinge herkommen. Sie lernen den Libanon in seiner ganzen Ambivalenz kennen: fahren zwischen imposanten Hochhäusern durch Beirut und zwischen improvisierten Flüchtlingsbehausungen entlang der Felder durch den fruchtbaren Nordlibanon. Sie begegnen dem unbeirrbaren Willen von Bürgermeistern, die auf verschiedensten Wegen versuchen, die Lebensumstände ihrer Leute zu verbessern, und hören von verkrusteten Strukturen, überkommenen Organisationsformen, Vetternwirtschaft und Korruption, die gute Initiativen im Keim ersticken. Gespräche mit Vertretern der Deutschen Botschaft und von Nichtregierungsorganisationen helfen den Delegierten, all das zu fassen. Im Auftrag der SKEW hat das Beiruter Büro der Organisation „Democracy Reporting International“ im Vorfeld Kontakte zu Bürgermeistern geknüpft und fünf Kommunen ausgewählt, die sie den Allgäuern für Partnerschaften vorschlagen. Kriterien sind die Gemeindegröße, die Zuverlässigkeit und das Engagement der Bürgermeister sowie die Zahl der aufgenommenen Geflüchteten.

Hier passt der Begriff „Flüchtlingskrise“

Wenn dieser Begriff irgendwo passt, dann hier. Das wird den Besuchern aus dem Allgäu schnell klar. Wenn in der Gemeinde Ghazzé in der Bekaa-Ebene, deren Bevölkerung geschätzt 7000 Menschen zählt, weitere 36000 Frauen, Männer und Kinder aus Syrien stranden, dann kann die Infrastruktur nicht mehr funktionieren. Auch dass die 3000 Bewohner des Bergdorfs Bwarej im Libanongebirge in ihren Häusern zusammenrücken, um gut 800 Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu bieten, nötigt den deutschen Gästen Respekt ab. Die Probleme der Gemeindechefs sind offensichtlich: Müll säumt die Straßen entlang der Flüchtlingslager, die nicht entwässerten Fahrbahnen verwandeln die Zeltstädte bei Regen in Schlammlöcher. Die Dorfschulen sind viel zu klein, einheimische und Flüchtlingskinder erhalten Unterricht im Schichtbetrieb. In den Klassenzimmern treffen die Allgäuer auf fröhliche Jungen und Mädchen syrischer Familien: Die Schule ist ihre einzige Möglichkeit, für ein paar Stunden die triste Lager-Umgebung hinter sich zu lassen.

Es fehlt an allen Ecken und Enden im Libanon

Die Besucher sehen Bauruinen in den Dörfern – oft gut gemeinte Projekte für Einrichtungen wie Gesundheitszentrum, Bildungs- oder Sportstätte, die aus finanziellen oder bürokratischen Gründen gescheitert sind. Sie lassen sich ineffiziente Müllsortierungsanlagen ebenso zeigen wie Flächen, auf denen Abwasser einfach versickert, sprudelnde Quellen, die nicht gefasst sind, und Wasserreservoires, die durch wilde Mülldeponien vergiftet werden.  „An diesem Punkt standen wir vor 50 Jahren“, stellt in manchen Momenten Paul Locherer fest, ehemaliger Bürgermeister von Amtzell. Still und nachdenklich werden die Allgäuer in Flüchtlingslagern. Schwer vorstellbar, wie Menschen in Zelten und notdürftig gezimmerten Bretterverschlägen vier, fünf Jahre ausharren. Die Hoffnung auf Rückkehr hält sie hier. Erschüttert sagt Johannes Buhmann, Bürgermeister aus Gestratz, zu einem Mann: „Ich wünsche Ihnen, dass der Krieg in Ihrer Heimat bald aufhört.“ Der Mann antwortet müde: „Das hoffe ich am allermeisten.“

In den Rathäusern nehmen sich Gastgeber und Besucher viel Zeit für den Dialog. Jenseits des Austauschs von Höflichkeiten geht er in die Tiefe – und verdeutlicht die Dimension der Probleme. Die Einschätzung eines Botschaftsvertreters bestätigt sich: Hilfe aus Deutschland darf nicht allein auf die Flüchtlinge abzielen. Sie muss die Gemeinden im Auge haben, die unter der Massenzuwanderung ächzen. Und der Krieg tobt weiter, immer mehr Syrer retten sich ins Nachbarland Libanon. Mancher Bürgermeister fürchtet, dass die Stimmung kippen könnte. Wenn das geschieht, haben die Menschen keine andere Wahl, als ihre Flucht fortzusetzen: in Richtung Europa. Dies zu verhindern ist für die deutsche Regierung ein wichtiger Grund, Kommunalpartnerschaften mit dem Nahen Osten zu fördern. Die Westallgäuer sehen zudem einen ideellen Gewinn: Völkerverständigung in einer Welt, die durch die Migrationsbewegungen immer kleiner wird. „Wir wollen der libanesischen Bevölkerung zeigen, dass wir ihr zur Seite stehen“, sagt Heimenkirchs Bürgermeister Markus Reichart seinen libanesischen Kollegen.

Ein klares Mandat für kommunale Entwicklungshilfe

Daheim im Allgäu müssen die Delegationsmitglieder Bevölkerung und Gemeinderäte überzeugen. Unterstützend wirkt die  Allgäuer Zeitung, die eine Redakteurin mit auf die Sondierungsreise schickt, um regelmäßig vom Libanon aus zu berichten. Bei drei Informationsveranstaltungen in den Dörfern überzeugen die Delegationsmitglieder mit gut aufbereiteten Referaten viele Menschen. Fragen der Entscheidungsträger nach Finanzierung und organisatorischer Unterstützung beantworten Vertreter von SKEW und Entwicklungsministerium auf einer Sondersitzung der fünf Gemeinderäte. Und so wird langsam klar, was machbar ist. Schließlich entscheiden alle fünf Kommunalparlamente, Partnerschaften mit libanesischen Gemeinden einzugehen.

Gestratz, Heimenkirch, Opfenbach, Hergatz und Amtzell mit zusammen rund 14 000 Einwohnern gehen den Weg weiter gemeinsam und gründen den „Interkommunalen Libanon-Ausschuss Allgäu. Gut ein Jahr nach den ersten Überlegungen gibt es regen Kontakt zwischen dem Allgäu und dem Libanon. Bei einem Gegenbesuch libanesischer Gemeindevertreter im Allgäu vertiefen die Partner ihre Projektideen. Die Gemeinderatsgremien unterstützen die Initiative durch positive Beschlüsse.

Erste konkrete Projekte

Und so stehen die ersten konkreten Projekte bereits fest: Die Allgäuer Kommunen helfen einer Gemeinde beim Ausbau der Abfallentsorgung, einer anderen beim Entwickeln einer Biogasanlage mit kommunaler Energieerzeugung,  sie unterstützen den Aufbau einer Zeltschule in einem Flüchtlingscamp in der Bekaa-Ebene, die Sanierung eines öffentlichen Parks, die Ausstattung eines medizinischen Zentrums und den Bau einer Aussegnungshalle in Ortschaften, deren Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit gewaltig gewachsen ist. Auch die Schulung und der kommunale Know-how-Transfer spielen eine wesentliche Rolle: Gemeinsam mit der oberschwäbischen Hochschule Ravensburg-Weingarten – Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege – denken die Allgäuer über Schulungsprogramme für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer im Libanon nach, und über kommunale Beratungsangebote sprechen sie mit der Schule für Dorfentwicklung im bayerisch schwäbischen Thierhaupten.

Aus kommunaler Solidarität und Partnerschaft auf Augenhöhe erwächst Völkerverständigung

Für den langjährigen Bürgermeister, ehemaligen Landtagsabgeordneten und Mitinitiatoren des Projektes, Paul Locherer aus Amtzell, ist klar: „Auch wenn unsere Initiative klein und unscheinbar ist, leisten wir hierdurch doch einen so bedeutenden Beitrag zum Frieden und zur Völkerverständigung“.

 

Ingrid Grohe

Füreinander - Miteinander in Amtzell e.V.

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