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Füreinander - Miteinander in Amtzell e.V.
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Delegationsreise in den Libanon vom 22.-26. November 2018 im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums und von Engagement Global

Kommunales Know-how für Nahost

Teilnehmer aus Amtzell – Imelda Schnell, Günter Halder, Verena Mayer, Wafaa Kleiner, Paul Locherer und Ralf Wagner vom Ingenieurbüro Bojahr in Ravensburg.

 

Der Libanon ein schönes, ein faszinierendes Land im Nahen Osten

4,5 Mio Einwohner und ca. 1,5 Mio Flüchtlinge

 

Der Libanon mit großem Bedarf an kommunaler Infrastruktur für die einheimische Bevölkerung und die geflüchteten Menschen aus Syrien:

  • Wasserversorgung
  • Abwasserbeseitigung
  • Müllbeseitigung
  • Wohnraumbeschaffung
  • Schulraumbeschaffung
  • Medizinische Versorgung
  • Energieerzeugung
  • Zusammenleben

 

Der Libanon versinkt im Müll

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Intensiver Austausch im Rathaus von Rashiine über eine Machbarkeitsstudie für eine Bioabfallanlage und das getrennte Erfassen von Bioabfällen. Das Amtzeller Know-how ist sehr gefragt.

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Übergabe der Machbarkeitsstudie an Bürgermeister Dr. Marwan Almawi und den Gemeinderat

Die Hilfspakete für 40 notleidende Familien, gespendet über Füreinander – Miteinander in Amtzell e.V.

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Rashiine, eine Gemeinde mit 4000 Einwohnern im Norden des Libanon versorgt derzeit 600 Flüchtlinge

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Der Libanon ein christliches und ein muslimisches Land mit einem guten Miteinander der Religionen
Papst Johannes Paul II: „Der Libanon ist nicht nur ein Land, sondern eine Botschaft.“

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Besuch der Wallfahrtsstätte „Statue of our Lady of Lebabon“ sowie der Basilika in Jounieh in der Nähe von Beirut

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Auch im Libanon freut man sich auf Weihnachten

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Initiative Kommunales Know-how für Nahost –  Allgäuer Entwicklungshilfe von unten

Entwicklungshilfe war bisher ein Thema, das in der Allgäuer Kommunalpolitik kaum Niederschlag fand. Das änderte sich durch die vielen Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren Europa und Deutschland erreichten. Auch kleine Dörfer auf dem Land bringen die Menschen unter – und sie fragen nach Gründen für die massenweise Migration. Fünf Allgäuer Gemeinden wollten es Anfang 2017 genau wissen. Sie griffen die Initiative des Berliner Entwicklungsministeriums auf, Kommunen in Nahost zu unterstützen.

Im Heimenkircher Gemeinderat fielen Anfang 2017 emotionale Worte, als der Bürgermeister das  Projekt von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller vorstellt. Die Idee, Menschen, die vor Bürgerkrieg fliehen, in ihrer Herkunftsregion zur Seite zu stehen, leuchtete ein. Auch Mandatsträger anderer Gemeinden im westlichen Allgäu, entlang der bayerisch-württembergischen Landesgrenze, in Gestratz, Hergatz, Opfenbach und in Amtzell sahen das Projekt „Kommunales Know-How für Nahost“ als sinnvolle Ergänzung zur vor Ort geleisteten Flüchtlingsarbeit.

Der Skepsis folgt Entschlossenheit

In Diskussionen wurde freilich auch Skepsis laut: Warum sollen Gemeinden Probleme angehen, die die sogenannte „große Politik“ nicht lösen kann? Welche Kompetenzen besitzen sie? Und: Ist solche Hilfe nachhaltig? Antworten erhielten 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger bei einer Informationsveranstaltung mit Referenten der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ (SKEW). Diese schilderten Probleme von Dörfern und Städten im Nahen Osten, die Geflüchtete aus Syrien in kaum vorstellbar großer Zahl aufnehmen. Und sie nannten mögliche Anknüpfungspunkte für Projektpartnerschaften: Es geht um Organisation und Infrastruktur. Auf Feldern wie Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung sind deutsche Gemeinden Spezialisten. Die Allgäuer Gremien wollten zunächst ausloten, ob und wie Gemeinden im Libanon helfen können – und schickten 15 Frauen und Männer auf eine Sondierungsreise.

Im November sind die Allgäuer dann dort unterwegs, wo die Flüchtlinge herkommen. Sie lernen den Libanon in seiner ganzen Ambivalenz kennen: fahren zwischen imposanten Hochhäusern durch Beirut und zwischen improvisierten Flüchtlingsbehausungen entlang der Felder durch den fruchtbaren Nordlibanon. Sie begegnen dem unbeirrbaren Willen von Bürgermeistern, die auf verschiedensten Wegen versuchen, die Lebensumstände ihrer Leute zu verbessern, und hören von verkrusteten Strukturen, überkommenen Organisationsformen, Vetternwirtschaft und Korruption, die gute Initiativen im Keim ersticken. Gespräche mit Vertretern der Deutschen Botschaft und von Nichtregierungsorganisationen helfen den Delegierten, all das zu fassen. Im Auftrag der SKEW hat das Beiruter Büro der Organisation „Democracy Reporting International“ im Vorfeld Kontakte zu Bürgermeistern geknüpft und fünf Kommunen ausgewählt, die sie den Allgäuern für Partnerschaften vorschlagen. Kriterien sind die Gemeindegröße, die Zuverlässigkeit und das Engagement der Bürgermeister sowie die Zahl der aufgenommenen Geflüchteten.

Hier passt der Begriff „Flüchtlingskrise“

Wenn dieser Begriff irgendwo passt, dann hier. Das wird den Besuchern aus dem Allgäu schnell klar. Wenn in der Gemeinde Ghazzé in der Bekaa-Ebene, deren Bevölkerung geschätzt 7000 Menschen zählt, weitere 36000 Frauen, Männer und Kinder aus Syrien stranden, dann kann die Infrastruktur nicht mehr funktionieren. Auch dass die 3000 Bewohner des Bergdorfs Bwarej im Libanongebirge in ihren Häusern zusammenrücken, um gut 800 Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu bieten, nötigt den deutschen Gästen Respekt ab. Die Probleme der Gemeindechefs sind offensichtlich: Müll säumt die Straßen entlang der Flüchtlingslager, die nicht entwässerten Fahrbahnen verwandeln die Zeltstädte bei Regen in Schlammlöcher. Die Dorfschulen sind viel zu klein, einheimische und Flüchtlingskinder erhalten Unterricht im Schichtbetrieb. In den Klassenzimmern treffen die Allgäuer auf fröhliche Jungen und Mädchen syrischer Familien: Die Schule ist ihre einzige Möglichkeit, für ein paar Stunden die triste Lager-Umgebung hinter sich zu lassen.

Es fehlt an allen Ecken und Enden im Libanon

Die Besucher sehen Bauruinen in den Dörfern – oft gut gemeinte Projekte für Einrichtungen wie Gesundheitszentrum, Bildungs- oder Sportstätte, die aus finanziellen oder bürokratischen Gründen gescheitert sind. Sie lassen sich ineffiziente Müllsortierungsanlagen ebenso zeigen wie Flächen, auf denen Abwasser einfach versickert, sprudelnde Quellen, die nicht gefasst sind, und Wasserreservoires, die durch wilde Mülldeponien vergiftet werden.  „An diesem Punkt standen wir vor 50 Jahren“, stellt in manchen Momenten Paul Locherer fest, ehemaliger Bürgermeister von Amtzell. Still und nachdenklich werden die Allgäuer in Flüchtlingslagern. Schwer vorstellbar, wie Menschen in Zelten und notdürftig gezimmerten Bretterverschlägen vier, fünf Jahre ausharren. Die Hoffnung auf Rückkehr hält sie hier. Erschüttert sagt Johannes Buhmann, Bürgermeister aus Gestratz, zu einem Mann: „Ich wünsche Ihnen, dass der Krieg in Ihrer Heimat bald aufhört.“ Der Mann antwortet müde: „Das hoffe ich am allermeisten.“

In den Rathäusern nehmen sich Gastgeber und Besucher viel Zeit für den Dialog. Jenseits des Austauschs von Höflichkeiten geht er in die Tiefe – und verdeutlicht die Dimension der Probleme. Die Einschätzung eines Botschaftsvertreters bestätigt sich: Hilfe aus Deutschland darf nicht allein auf die Flüchtlinge abzielen. Sie muss die Gemeinden im Auge haben, die unter der Massenzuwanderung ächzen. Und der Krieg tobt weiter, immer mehr Syrer retten sich ins Nachbarland Libanon. Mancher Bürgermeister fürchtet, dass die Stimmung kippen könnte. Wenn das geschieht, haben die Menschen keine andere Wahl, als ihre Flucht fortzusetzen: in Richtung Europa. Dies zu verhindern ist für die deutsche Regierung ein wichtiger Grund, Kommunalpartnerschaften mit dem Nahen Osten zu fördern. Die Westallgäuer sehen zudem einen ideellen Gewinn: Völkerverständigung in einer Welt, die durch die Migrationsbewegungen immer kleiner wird. „Wir wollen der libanesischen Bevölkerung zeigen, dass wir ihr zur Seite stehen“, sagt Heimenkirchs Bürgermeister Markus Reichart seinen libanesischen Kollegen.

Ein klares Mandat für kommunale Entwicklungshilfe

Daheim im Allgäu müssen die Delegationsmitglieder Bevölkerung und Gemeinderäte überzeugen. Unterstützend wirkt die  Allgäuer Zeitung, die eine Redakteurin mit auf die Sondierungsreise schickt, um regelmäßig vom Libanon aus zu berichten. Bei drei Informationsveranstaltungen in den Dörfern überzeugen die Delegationsmitglieder mit gut aufbereiteten Referaten viele Menschen. Fragen der Entscheidungsträger nach Finanzierung und organisatorischer Unterstützung beantworten Vertreter von SKEW und Entwicklungsministerium auf einer Sondersitzung der fünf Gemeinderäte. Und so wird langsam klar, was machbar ist. Schließlich entscheiden alle fünf Kommunalparlamente, Partnerschaften mit libanesischen Gemeinden einzugehen.

Gestratz, Heimenkirch, Opfenbach, Hergatz und Amtzell mit zusammen rund 14 000 Einwohnern gehen den Weg weiter gemeinsam und gründen den „Interkommunalen Libanon-Ausschuss Allgäu. Gut ein Jahr nach den ersten Überlegungen gibt es regen Kontakt zwischen dem Allgäu und dem Libanon. Bei einem Gegenbesuch libanesischer Gemeindevertreter im Allgäu vertiefen die Partner ihre Projektideen. Die Gemeinderatsgremien unterstützen die Initiative durch positive Beschlüsse.

Erste konkrete Projekte

Und so stehen die ersten konkreten Projekte bereits fest: Die Allgäuer Kommunen helfen einer Gemeinde beim Ausbau der Abfallentsorgung, einer anderen beim Entwickeln einer Biogasanlage mit kommunaler Energieerzeugung,  sie unterstützen den Aufbau einer Zeltschule in einem Flüchtlingscamp in der Bekaa-Ebene, die Sanierung eines öffentlichen Parks, die Ausstattung eines medizinischen Zentrums und den Bau einer Aussegnungshalle in Ortschaften, deren Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit gewaltig gewachsen ist. Auch die Schulung und der kommunale Know-how-Transfer spielen eine wesentliche Rolle: Gemeinsam mit der oberschwäbischen Hochschule Ravensburg-Weingarten – Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege – denken die Allgäuer über Schulungsprogramme für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer im Libanon nach, und über kommunale Beratungsangebote sprechen sie mit der Schule für Dorfentwicklung im bayerisch schwäbischen Thierhaupten.

Aus kommunaler Solidarität und Partnerschaft auf Augenhöhe erwächst Völkerverständigung

Für den langjährigen Bürgermeister, ehemaligen Landtagsabgeordneten und Mitinitiatoren des Projektes, Paul Locherer aus Amtzell, ist klar: „Auch wenn unsere Initiative klein und unscheinbar ist, leisten wir hierdurch doch einen so bedeutenden Beitrag zum Frieden und zur Völkerverständigung“.

 

Ingrid Grohe

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23.-26.08.2018

Besuch einer kleinen Amtzeller Delegation in Rachiine, Libanon zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie für eine Biosgasanlage. Die Anlage soll helfen, Biomüll zu verwerten und elektrische Energie zu gewinnen.